Künstler

Böhmler besuchte zunächst ab 1961 die Werkschule Pforzheim. Von 1963 bis 1968 absolvierte er ein Kunststudium an den Kunstakademien Stuttgart und Düsseldorf und war Schüler von Joseph Beuys. Sein erstes bekanntes Werk Pinocchio stammt aus dem Jahr 1969. Von 1974 bis 2005 war er Professor an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg. Claus Böhmler war Mitglied der Lord Jim Loge und ab 1994 im Deutschen Künstlerbund.

Böhmler war einer der ersten Künstler in Deutschland, die sich für moderne Techniken der Bildreproduktion interessierten. Durch einfaches Fragen nach den Mechanismen der Technik und durch das Spielen mit den Möglichkeiten des Mediums macht er auf Regeln und Funktionen aufmerksam, die der Wahrnehmung sonst meist entgehen. Sein Umgang mit Radio, Cassettengerät, Fotoapparat, Film- oder Videokamera ist ironisch.

In Böhmlers Bildern und Objekten kommt der Verwendung von Sprache als Kommentar, Erläuterung oder Wortspiel eine zentrale Rolle zu. Die Sprache als Grundlage der Kommunikation ist für ihn das Medium höchster Authentizität. Aber auch hier zielt seine Untersuchung immer wieder auf den tatsächlichen Sinngehalt der Wörter, Sätze und Begriffe.

 

 

Inhalt

»Böhmler redet und trinkt und ißt und tönt und zeichnet und denkt und hört und sieht in demselben Moment.« (Michael Erlhoff)


Der Medienkünstler Claus Böhmler war schon »smart«, als Steve Jobs noch bei Atari arbeitete. Böhmlers Interessen als Künstler gelten allerdings weniger der Entwicklung von Algorithmen als vielmehr dem praktischen Umgang mit Schreibmaschine, Fotokopierer, Kassettenrekorder, Schallplattenspieler, Super-8-Film, Fotoapparat, Radio, Film- oder Diaprojektor, Video, also den Medien, mit denen sich äußerst ökonomisch und leicht zu handhaben ein Maximum an Kunst produzieren lässt. Er benutzt sie wie Zeichnung, Malerei, Skulptur, Grafik und Performance als sich selbst reflektierende, intermediale, kommunikative Aufforderung.

 

Sein Werk, auch das akustische und filmische wird in diesem Buch vorgestellt, ineinander geschoben, wie es auf seinem großen Computerbildschirm nebeneinander aufklappte. So geht es Seite für Seite: im steten Wechsel all der medialen Möglichkeiten, Metamorphosen, Wiederholungen und Differenzen, zu denen nur Böhmler in seiner spezifischen Gleichzeitigkeit von Humor, Ironie, Beobachtung und Politik fähig ist. Es materialisiert sich ein Album, das Böhmler uns präsentiert.


Böhmlers Werke werden nicht ausschließlich durchs Sehen und Zeigen getrieben, sondern auch durch Sprache, durch das Sprachspiel und die Spracherneuerung im rhythmischen Raum. Hier verschärft sich noch einmal der visuelle Aspekt in der Ausdehnung eines Denkraums, dessen Weite sich in diesem Album erahnen lässt. Der unendliche Böhmler-Kosmos – anarchisch, komisch und nie abgeschlossen. Und er ist poetisch, d. h. neben allem Sprach- und Bildwitz melancholisch, brüchig und geheimnisvoll, so wie es René Descartes in der Böhmler-Überlieferung am Telefon sagt: »Ich denke, ich bin’s.«


Diese Publikation wurde vom Textem Verlag initiiert und entstand in enger Zusammenarbeit mit Claus Böhmler, der mit technischer Unterstützung von Naho Kawabe in unzähligen Sitzungen die eigensinnige Gestaltung der Seiten entwickelte. Herausgekommen ist eine prächtige, äußerst lebendige und bildmächtige Auseinandersetzung mit dem Lebenswerk des Künstlers durch den Künstler. Claus starb 2017, als das Buch druckfertig war. Es ist sein Vermächtnis. (Michael Glasmeier)

Buch

Claus Böhmler – Smart Artist
Hg. Michael Glasmeier, Naho Kawabe, Nora Sdun
120 Seiten, 4-farbig, Hardcover
297 mm x 210 mm, Querformat
zahlreiche Abbildungen, (mit QR-Codes für Videos und Bewegtbilder)

35 Euro
ISBN 978-3-86485-179-7
Textem Verlag, Hamburg 2019

 

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