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9. 6. 2021 

Die einzelnen Blüten wirken locker, luftig, etwas chaotisch, ihre spezielle Dreifach-Symmetrie erschließt sich erst aus der Nähe. Oft ist die Wiese allerdings so nass, dass wir sie nur aus der Ferne betrachten können, als unscharfe, unwirkliche Flecken, räumlich nicht zu fassen. 

 

Lesen im Blog

Michael Hopp: Mann auf der Couch (Roman)
Jörg Heiser: Freiheit ist kein Bild
Susanne Lorenz (Hg.): grund – Übung, Haltung / Exercise, Approach

Neue Rezensionen und Texte

  

 

Unter anderem weil Lyrik per se scheitern müsse, räumt Lyriker Ben Lerner ein, selbst diese Art Superpoesie namens Lyrik zu hassen. Das rhythmische, melodische, zutiefst empfundene Menschlichkeitsohrensausen sei laut Lerner simple Verklärung. Sie wäre immer noch zu schreiben, die Lyrik, doch „es gibt keine echte Lyrik; es gibt am Ende nur und bestenfalls einen Ort dafür“. Und weiter: „das fatale Problem bei der Dichtkunst: Gedichte“.

 

Lenny Ureña Valerios Ansatz schaut neu und in dieser Ausführlichkeit erstmals auf ein komplexes Nord-Nord-Süd-Gefüge mit teleskopischen Beziehungen von Kolonisator und vermeintlich oder tatsächlich Kolonisierten. Es ist die postkoloniale Perspektive innerhalb dieses nicht nur dichotomischen (Polen und Deutsche), sondern Nord-Nord-Süd-Settings der Kolonialität, die Colonial Fantasies, Imperial Realities zu einer besonders lohnenden (und übersetzenswerten) Lektüre macht.

 

Das Buch aus dem MaroVerlag ist eine bedeutende Veröffentlichung, die sowohl mutig als auch gekonnt auf sich nimmt, in die abwechslungsreiche Stimme einer der bedeutendsten Dichterinnen der USA der letzten Jahrzehnte hineinzufinden.

 

„Gefährten des Todes“ ist ein Roadmovie, eine Antiheldenreise, eine Läuterungstour, ein Passionsweg. Der Regisseur Sam Peckinpah war Zeit seines Lebens ein Getriebener, ein Outlaw, einer, der ähnlich der Hauptfiguren seiner Filme, einer Zeit zu entstammen schien, die von der Moderne überrollt und zermalmt wurde, eine Tatsache, die Peckinpah filmisch auffing, indem er in seinen Filmen Trauergesänge auf einen „Wilden Westen“ anstimmte, der ihm als gelobtes Land erschien.

 

Von Hoppe, der Literaturkünstlerin, zu Wussow, der Kunstermöglicherin, schlagen kluge Funken. Manchmal fliegen sie auch ein bisschen, was an Hoppes sympathisch selbstgewisser Führung des Gesprächs liegt, das auf Sylt stattgefunden hat. Den üblichen Erwartungshaltungen an Reisen und ihre Transformation in Sprache erteilen beide Absagen.

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