Neue Rezensionen und Texte

  

 

Der Witz der Sprache und Aussprache zeigt sich vielleicht noch reiner, wenn keine Absicht unterstellt ist. Wenn der Zuhörer überrascht wird und eine peripher erscheinende Elision zu massiven Ernüchterungskompressionen führt. In den zwölf Jahren des 1000-jährigen Reichs hat nicht jeder an Volk und Führer geglaubt. Aber schon sehr viele. Und plötzlich ergibt sich aus einer unvorhergesehenen Inszenierung der Dinge etwas anderes.

 

 

High-Rise, zuerst 1975 erschienen, ist der Abschluss einer Trilogie, die mit Crash und Die Beton-Insel zwei Vorgängerbände aufweist, deren Bitternis, Intelligenz und Imaginationsvermögen eine faszinierende Stimmung erschafft, die der englische Neo-Logismus ballardian zu umschreiben weiß, für den es im deutschen Sprachraum (wohl auch aufgrund der zu Unrecht in den Heyne Verlag der 80er oder der Phantastischen Bibliothek Suhrkamps verbannten „Popularität“ Ballards) keinen Bedarf als auch kein Pendant gibt – allerdings ist es auch ein grundsätzlicher Mangel deutscher Sprache, kaum Eponyme zuzulassen, außer kafkaesk oder zappaesk, vielleicht noch chaplinesk, fällt einem wenig ein.

 

 

Zum Schattenvolk gehören auch die zwei miteinander knutschenden Endvierziger-Männer. Vielleicht nicht gerade zu meinem, wohl aber zu dem von Olivier Schrauwen. Aber warum soll ich mich für die interessieren? Anders gefragt, sozusagen aus dem Schattenvolk der Leser heraus, wen von uns soll das interessieren? Genauer gesagt: Ich stelle mir jemanden schattenhaft vor, den das wie mich interessiert; zwei miteinander knutschende Endvierziger-Männer im Inneren eines Richard B. Fuller anmutenden Kuppelbaus.

 

 

„Erkenntnis und Interesse“ erschien 1968 und ist ein Schlüsselwerk jener theorieverliebten Epoche. Es überrascht trotzdem, dass dieser abstrakte Text auch außerhalb der Philosophie viele Leser gefunden haben soll. Er ist nicht gerade gefällig und locker geschrieben. Ein Quell schöner Stellen und zitierfähiger Passagen ist „Erkenntnis und Interesse“ (EuI) nicht. Wie hat es seine Wirkung entfaltet? Durch sein griffiges Leitmotiv: „Erkenntnistheorie muss Gesellschaftstheorie sein“? Womöglich schon. „Gesellschaft“ war ein magischer Ort wie in näherer Vergangenheit nur das Internet.

                                                                                                                                                                 

Kultur & Gespenster: Ding Ding Ding
Florian Hadler: Geheimnis
Werner Büttner: Düngeschlacht