Kultur & Gespenster: NO BALANCE
Anna-Lena Wenzel: L - Liebe
Christian Bernhardt: Jana Jana Jana

Neue Rezensionen und Texte

  

 

„Städtebeschimpfungen“ vermittelt manch private und berufliche Nachricht bis hin zu kurzen Literaturfragmenten im Sinne des Bernhardschen Textextremismus. Hauptsächlich für Insider. Schön formuliert kleine Unzumutbarkeiten und altbekannt große Hasslieben.

 

 

Es ist ein berührender Comic. Einer, der unter die Haupt geht und dann in den Kopf steigt. Es ist die Geschichte einer Befreiung. Aber ist nicht jede Geschichte eine der Befreiung? Vielleicht nicht gerade die einer abgeschlossenen, aber doch immer einer Befreiung. In „Die Leichtigkeit“ erzählt Catherine Meurisse ihre traumatischen Erlebnisse vom Massaker in der Charlie-Hebdo-Redaktion 2015, das sie als „zu spät“ gekommenes Redaktionsmitglied überlebte. 

 

 

 

Liebevoll und empfindsam beschreibt Fendel die Persönlichkeiten ihrer weiblichen Figuren und ihre Beziehungen untereinander; zärtlich und zugeneigt ist sie ihnen und es macht Spaß, diese Stellen zu lesen. Oft ist der Roman in seiner comicartigen Holzschnitthaftigkeit witzig und hat Tempo – Langeweile kommt selten auf. Aber ganz ehrlich, die Sache mit der Selbstdarstellerin, der die Bühne fehlt, der das Publikum davonläuft und deren Dramen somit ins Leere laufen, ist so attraktiv auch wieder nicht.

 

 

 

Am Abend des 6. Februar 1934 geht ein Mann das linke Seine-Ufer ab. Absperrungen, leere Straßen. Er nimmt einen Bus, der ihn über Umwege zur Madeleine bringt. Eine dichte Menge in der Rue Royale, an den Ecken Polizei. Etwas weiter weg stößt er auf eine wütende Menge, ein Verwunderter, vielleicht ein Toter, wird mit einem Wagen abtransportiert. Auf einem Platz große Aufregung, weitere Verletzte, in der Mitte brennt ein Bus. An einem Brückenkopf stehen sich eine Menge junger Leute verschiedener Couleur, Bürger, Angestellte, Arbeiter, und ein massives Polizeiaufgebot gegenüber.