Veranstaltung

18. Dezember 2017, 20 Uhr

Buchvorstellung: Stimmungs-Atlas »B wie Blickfänger«, ein Buch über das Bild »Betty« von Gerhard Richter. Die beiden Autoren Insa Härtel und Karl-Josef Pazzini im Gespräch mit Nora Sdun (Textem Verlag) und Benjamin Fellmann (Warburg-Haus)

»Blickfänger« im Warburg-Haus, Heilwigstr. 116, Hamburg

Einlass 19.30 Uhr

Gespräch 20 Uhr bis 21 Uhr

Eine Veranstaltung im Kontext des Jahresthemas des Warburg-Hauses »Latenz in den Künsten« 

Kultur & Gespenster: NO BALANCE
Anna-Lena Wenzel: L - Liebe
Christian Bernhardt: Jana Jana Jana

Neue Rezensionen und Texte

  

 

Dörflich-Ländliches im Bus oder vom Beifahrersitz aus gesehen und schon vorbei. Ein Abdrücken und Bilanzziehen, jedes Gedicht könnte das letzte sein. So wirkt es. Dabei merkt man Kochs existenziellen Wortstrichen ihr Drängen an. Sie stehen da, sie sind so, zusammengehalten von verblüffenden, cleveren wie zugleich bitteren Sprachbildern, die beredt und ziemlich treffend den jeweiligen Moment auf den Punkt bringen. Tatsächlich eine fotoartige Technik.

 

 

 

»Gier nach neuen Bildern«. Untertitel: »Flugblatt, Bilderbogen, Comicstrip«. Eine großartige Ausstellung über Bildpolitiken, zu sehen im Deutschen Historischem Museum (DHM). Gezeigt werden Bilder, Bögen, Bildzeitungen und Grafiken, beginnend im 16. Jahrhundert bis heute. Eine inspirierende Ausstellung, eine, die müde und hungrig macht.

 

Jede Autobiografie ist eine Erfolgsgeschichte – auch weil sie nie tödlich endet. So ist es ist nur dem Zufall zu verdanken, dass Ulli Lust einen Mordversuch an ihr überlebte, und ihrem Kunstwillen, dass wir davon erfahren. 2009 erschien „Heute ist der letzte Tag vom Rest meines Lebens“, ihr erster autobiografischer, bis heute in über 11 Sprachen übersetzter Erfolgscomic. „Wie ich versuchte, ein guter Mensch zu sein“ ist ihr zweiter autobiografischer Comic und ist gerade erschienen, beide über 350 Seiten schwer, von denen jede einzelne Seite trägt. 

 

 

 

Vielleicht muss man sich den Zwang der Gattung Traum einfach wegdenken und heraus kommt ein Miniaturenband Prosa, der Seinesgleichen sucht. Überbordend, kritisch und nach einer Regel komponiert, die so undurchschaubar ist wie nichts sonst. Einzig Perecs selbstajoutiertes Glossar, das gewohnt den Gesetzen seiner Listenmanie folgt, regelt ein wenig die Zugehörigkeit der Themen und allein jene eigene Auswertung seiner selbst hat den kompositorischen Atem der späteren Bücher.

 

 

In unserer an gesellschaftlichen Lebensentwürfen armen Zeit, in der alles immer nur gerettet werden soll, um den Status quo aufrechtzuerhalten, Umwelt, Gesundheit, Kapital, Geld, Lebensstandard und Familie, tun diese Utopien gut. 

 

Die Feststellung, dass ein deutscher Neologismus wie »Rettungsschirm« nur dreimal in der FAZ gestanden haben muss und schon kommt das Wort jedem Gebildeten völlig normal vor, was aber eben den Übersetzern überall auf der Welt großes Kopfzerbrechen bereitet, ist fatal und komisch. Der Befund, solange man sich abends noch die Zähne putzt, nicht von einer Depression zu sprechen ist, sondern höchstens von einer Verstimmung, wiederum komisch, genauso wie die sehr treffend als »raunende Transformation von keinen Ideen in ein babylonisches Kauderwelsch« charakterisierte Bürokratie. Alle diese Bemerkungen sind, ein wenig tragisch kratzbürstig zwar, aber deshalb wirklich erleichternd.

 

Assemble hat all jene eines Besseren belehrt, hat interessante Architektur geschaffen, temporär bis dauerhaft, hat Netzwerke gegründet, Gründungsimpulse gesetzt und vor allem: soziale Bewegungen und Mobilisierungen hervorgerufen, die sich mittlerweile selbst tragen. Sie haben einer „feindlichen“ Stadtplanung und Politik ein „Uns egal, wir machen es selbst“ entgegengestellt.