Kultur & Gespenster: NO BALANCE
Anna-Lena Wenzel: L - Liebe
Christian Bernhardt: Jana Jana Jana

Neue Rezensionen und Texte

  


Nicht jeder will sich einer Operation der Durchleuchtung und Durchdringung aussetzen oder ausgesetzt sehen. Scham mag eine Rolle spielen, Eigeninteresse, Furcht oder überhaupt das Gefühl, mit einemmal ohne Rückzugsort dazustehen. Um andere erst gar nicht dazu einzuladen oder zu ermuntern, diesen Ort auszuleuchten, mag die cartesische Handlungsmaxime "larvatus prodeo" (ich trete maskiert auf) aufgestellt worden sein. Descartes hielt sie 1619 als private Notiz fest, Dritten empfiehlt sie sich gewissermaßen erst post mortem, dann nämlich, wenn nach Bekanntgabe dieses Unterschieds zwischen Geben und Verbergen die Frage aufgeworfen werden kann, wo die Maske anfängt und wo sie aufhört. 

 

Amerikanisches Südstaatenleben und Musik in Nashville und Memphis: Stax Records, Melissa Etheridge und Lambchop

Soul Tales – Stax Records gibt es seit 60 Jahren und Melissa Etheridge tut the funkiest Woman alive in der Rockmusik mit "Memphis Rock And Soul" 

Lambchop mit Country und Electronics: FLOTUS wie "For Love Often Turns Us Still" 

 

 

 

Warum es sich um eine "Abrechnung mit der Indie-Pop-Szene" handeln soll, ist nicht klar, so will es der Klappentext. Es handelt sich vielmehr um das Milieu, in dem diese Liebesgeschichte zwischen zwei sehr unterschiedlichen Menschen spielt, that's it. Es hätte genauso gut ein anderes Milieu sein können. Es ist keine Abrechnung, es ist das Leben, wie es die beiden aus Almut Klotz Sicht geführt haben, und deswegen ist der Text so gut.

 

Will, wer links ist und womöglich rechts handelt, gar keine "wahre Mitte" anstreben, sondern ganz klar die Umkehrung aller Verhältnisse? Die Probe aufs Exempel soll mit der Revolutionstheorie des Franzosen Louis-Auguste Blanqui (1805-1881) gemacht werden. Die Annalen des linken Spektrums führen ihn weniger als Theoretiker denn als Aktivist und Stratege. Marx und Engels haben ihn wegen seiner in ihren Augen fehlenden oder unzulänglichen Klassenanalysen nicht richtig ernst genommen. Er war ihnen nicht "wissenschaftlich" genug. 

 

 

Am 10.07.1932 ist Jürgen Beckers Geburtstag. Die Erinnerungen des Büchner-Preis-Trägers also gehen bis zurück in die Zeit des 2. Weltkriegs. Damals lebte auch Lee Miller: Ab 30.04.1945 gab es in Berlin Hitler nicht mehr. Dies soll keine sichere Tatsache sein. Und an diesem Tag soll die amerikanische Fotografin Lee Miller in seiner Münchner Wohnung ein Bad genommen haben. Eventuell aber soll Hitler nach Argentinien oder in die Antarktis entkommen sein. Ein Foto belegt, dass Lee Miller in seiner Badewanne saß. Davon weiß ich seit meiner Buchbesprechung von Jürgen Beckers "Scheunen im Gelände". 

 

 

 

In der Reihe "Naturkunden" sind bei Matthes und Seitz zwei neue Bände erschienen, die sich gegenseitig inhaltlich zu bedingen scheinen. Auch äußerlich ähneln sich Der Heimatinstinkt und Die Einsamkeit der Wüste. Von Judith Schalansky herausgegeben, erfreut sich die Reihe einer aufmerksamen Buchgestaltung mit jeweils unterschiedlicher Typo und wechselnden Formaten. Manchmal ist die Reproqualität das einzige Manko der Bücher, doch ansonsten ist die Gestaltung auf extrem hohem Niveau: angenehm anzufassen, gut zu lesen und minimalistisch im Einsatz ihrer Mittel. Inhaltlich lohnen beide nicht weniger.