Textem veröffentlicht hier Notizen und Korrespondenzen aus aller Welt

Die aktuellen Blogeinträge "Nachrichten aus dem laufenden Betrieb" laufen auf der  Seite Textem-Verlag.de

Die alten und noch älteren Blogeinträge (seit März 2020) liegen im Textem Blog Archiv

 

 

Michael Hopp: Mann auf der Couch (Roman)
Jörg Heiser: Freiheit ist kein Bild
Susanne Lorenz (Hg.): grund – Übung, Haltung / Exercise, Approach

Neue Rezensionen und Texte

  

 

Das Buch zeichnet das Bild eines Architekten, dessen Gebäude entweder expressionistisch ausfallen können, dabei ein Nebeneinander aus postklassizistischen Elementen anbieten oder aber ziemlich rationalistisch geraten, wie bei den öffentlichen Gebäuden, Büros etc. Dieses scheinbar Gleichberechtigte von eigentlich schwer zu vereinenden Strömungen wirkt unideologisch und frei fließend. Die Friedhöfe von Malmö und Stockholm unterlegen dies – es geht hier um mehr als Stil.

 

Calles anarchische Episoden stehen in Kontrast zur Bibliothek Suhrkamp-Ausstattung des schmalen Bandes, der dieser Tage erschienen ist, von Sabine Erbrich übersetzt. Die katalogische Methode, seine interagierende Respektlosigkeit machen ihn zu einem Unikum in einer Landschaft von in letzten Jahren populären französischen biografisch gestalteten Texten. Ein Chronik-Hit aus einem neugierig gebliebenen Blickwinkel.

 

Homosexualität hat in Simbabwe seinen Ort im Verborgenen. Zwei Romane verdienen es, vorgestellt zu werden: Tendai Huchus Der Friseur von Harare und
Gunther Geltingers Benzin.

 

Doblers Verse können bisweilen richtig gut sein, mit ganz wenigen Worten, sozusagen unter aller Ohr hindurch Dinge überraschend auch frisch auf den Punkt bringen. Aber die Gedichte schwanken untereinander dermaßen, als wären sie alle zusammen eine Bar mit unterschiedlichen Pegelständen.

 

In lesekulturindustriell durchgestylten und zudem pandemisch aufgerauten Zeiten ist Erste Schritte, letzte Wege mit seinem leisen Duktus, auf den man sich einzuhören bereit sein muss, vielleicht ‚schwer vermittelbar‘, wie eine Story über einen Regalauffüller im Supermarkt titelt. Das muss man kaufen, dann wird man belohnt. Den fetzigen Serviervorschlägen für „Doseneintöpfe, Markklößchensuppe, Königsbergerklöpse, Mais, Erbsen und Karotten“ (S. 122) setzt Ralf Schob kein famos eingekochtes literarisches Zartgemüse entgegen, sondern frische Bilder- und Schreib-Ware.

 

„Meine Arbeit besteht darin, mich nicht zu bewegen.“

 

Unter anderem weil Lyrik per se scheitern müsse, räumt Lyriker Ben Lerner ein, selbst diese Art Superpoesie namens Lyrik zu hassen. Das rhythmische, melodische, zutiefst empfundene Menschlichkeitsohrensausen sei laut Lerner simple Verklärung. Sie wäre immer noch zu schreiben, die Lyrik, doch „es gibt keine echte Lyrik; es gibt am Ende nur und bestenfalls einen Ort dafür“. Und weiter: „das fatale Problem bei der Dichtkunst: Gedichte“.

 

Lenny Ureña Valerios Ansatz schaut neu und in dieser Ausführlichkeit erstmals auf ein komplexes Nord-Nord-Süd-Gefüge mit teleskopischen Beziehungen von Kolonisator und vermeintlich oder tatsächlich Kolonisierten. Es ist die postkoloniale Perspektive innerhalb dieses nicht nur dichotomischen (Polen und Deutsche), sondern Nord-Nord-Süd-Settings der Kolonialität, die Colonial Fantasies, Imperial Realities zu einer besonders lohnenden (und übersetzenswerten) Lektüre macht.

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